Bearbeitet
Version jetzt auch als PDF-Datei zum Herunterladen!!
Für den Züchter stellen sie in der Regel nichts Aufregendes mehr dar, der "Otto-Normal-Hundebesitzer" sieht sich aber oft einem Wust von Neuem gegenüber. Dieser kleine Leitfaden soll ein paar kleine Einblicke in diese Sparte des Hundehalterdaseins geben.
Zuallererst möchte
ich mal zu der Aussage äußern, dass Ausstellungen Streß für
den Hund bedeuten. Von ein paar Ausnahmefällen abgesehen bedeuten sie meiner
Meinung nach (natürlich bei einem sorgsamen Umgang mit dem Hund und entsprechender
Rücksichtnahme auf das Tier) nämlich vor allem für den Besitzer
Streß.
Mein sonst Neuem gegenüber eher etwas vorsichtigerer Hund ließ seine
erste Ausstellung mit einer gigantischen Seelenruhe über sich ergehen,
während sein Frauchen (ebenfalls die erste Ausstellung) ihre bessere Hälfte
mit an den Haaren herbeigezogenen Gesprächen über sonstwas nervte,
um die Zeit bis sie dran war, totzuschlagen. Von den zitternden Beinen beim
Aufstellen vor dem Richtertisch ganz abgesehen...
Obwohl ich schon
häufig ohne Hund aufAusstellungen war, versuchte ich vor der ersten eigenen
im Internet und in Büchern viel über Ablauf, Bewertungen u.s.w. zu
finden. Leider mit sehr mäßigem Erfolg. Ebenfalls Ausstellungsinteressierte
ohne Ahnung sollen daher hier (hoffentlich) auch fündig werden. Kritik,
Tipps und weitere Informationen werden gerne aufgenommen!
Von wegen nervös-dieser Barsoi (russischer Windhund) schläft inmitten der Fußgängermasse neben dem Ring tief und fest.
| Was
ist eine Ausstellung? Zunächst einmal muß man sich klarmachen, was eine Ausstellung ist. Der zweite gebräuchliche Begriff "Zuchtschau" trifft den Kern der Sache vielleicht besser. Auf einer Zuchtschau soll die Nachzucht der Rasse gezeigt werden. Züchter und Hundebesitzer lassen von einem anerkannten Zuchtrichter feststellen, inwieweit ihr Tier dem international gültigem Rassestandard entspricht. Die Zuchtrichter sind bei ihrer Bewertung ausschließlich dem Rassestandard verpflichtet. Ihr Urteil ist frei und unanfechtbar. Und schon sind wir beim Vorurteil Nummer eins: Ausstellungen sind immer subjektiv! Es ist schon richtig. Jeder Dalmatinerbesitzer z.B. bevorzugt einen eigenen Typ, jeder Züchter hat sein Idealbild vor Augen, natürlich immer im Rahmen des festgelegten Standards. Und so hat auch jeder Richter bestimmte Vorlieben und Dinge die ihm besonders wichtig sind, ebenso Dinge die er bei seiner Rasse gar nicht akzeptieren kann. Das ist aber kein Widerspruch in sich. Haben sie erst einmal einige Ausstellungen besucht, ergibt sich aufgrund mehrerer Formwertbeurteilungen schon ein recht klar umrissenes Bild ihres Hundes. |
||||||||||||||||||||||||||||||||
| Die Ankunft auf der Ausstellung Wenn sie am Morgen auf der Ausstellung erscheinen, wird zunächst einmal ein anwesender Tierarzt den mitgebrachten Impfpass überprüfen. Danach erhalten sie im Ausstellungsbüro ihre Ausstellungsunterlagen. Diese beinhalten in der Regel ihre Startnummer und einen Katalog in dem alle Teilnehmer vermerkt sind. Die Reihenfolge der Klassen im Katalog entspricht meist auch der eingehaltenen Reihenfolge auf der Ausstellung. So wissen sie also schon einmal ungefähr wann sie an der Reihe sind. Suchen sie sich nun also einen guten Platz am Ring, denn neben dem Ausstellen des eigenen Hundes wolle sie ja sicherlich auch etwas von den anderen Hunden sehen. Der beste Platz am Ring ist sicherlich der gegenüber des Richtertisches, weil sie hier die Hunde in ihrer vollen Pracht sehen können wenn sie dem Richter zur Endbewertung präsentiert werden. Natürlich sind diese Plätze auch von allen anderen Ausstellern heiß begehrt und so ist es sicherlich vorteilhaft, wenn sie nicht auf die letzte Minute kommen. Versuchen sie ihren Hund auf der mitgebrachten Decke möglichst ruhig zu plazieren. Die erste Aufregung ist jetzt vorbei und sie haben Zeit ein wenig durchzuatmen. |
||||||||||||||||||||||||||||||||
Das Warten auf die Bewertung |
||||||||||||||||||||||||||||||||
| DerAblauf im Ring Der Helfer des Richters, ein sogenannter Ringsteward ruft nun die jeweiligen Klassen auf und sie sind selber dafür verantwortlich bei Aufruf im Ring zu erscheinen. Wenn sie also die Halle kurzfristig verlassen z.B. um den Hund auf den ausgeschilderten Löseplatz zu bringen, vergewissern sie sich vorher, daß ihre Klasse nicht als nächstes aufgerufen wird. Als erstes müssen Sie im Ring unter den anderen Teilnehmern ihren Platz finden. Das ist ganz einfach, denn sie haben ja ihre Startnummer für Richter und Steward gut lesbar mit ihrem Clip an ihrer Kleidung befestigt. Im Ring stellt man sich nach Startnummern auf. Betritt der Richter die Mitte des Ringes stellen alle Handler ihre Hunde zunächst einmal in Position. Das heißt, sie stellen ihren Hund so zum Richter, daß er ihn von der Seite gut und deutlich betrachten kann. So verschafft sich der Richter den ersten Überblick über die anwesenden Hunde. Danach wird der Richter in der Regel alle Handler auffordern ihre Hunde im Kreis im Trab zu bewegen. Hierbei richtet man sich in der Geschwindigkeit natürlich nach dem vorhergehenden Handler. Sie haben später bei der Einzelbewertung noch die Möglichkeit ihren Hund in dem für ihn am vorteilhaftesten Tempo vorzustellen. Der Richter gibt das Kommando zum abbrechen und nun fordert er den ersten Teilnehmer auf, zu ihm zu kommen zur Einzelbewertung. Solange sie nicht an der Reihe sind, lassen sie ihren Hund in dieser Wartesituation entspannen. Der Richter sieht jetzt nur den Hund in der Einzelbewertung , es ist nicht nötig ihren Hund die gesamte Zeit gespannt zu halten. Das ist für sie sehr schwer und die Konzentrationsfähigkeit des Hundes wird überfordert. Der bereits gerichtete Hund schließt sich nun entweder am Ende der wartenden anderen Hunde wieder der Reihe an oder er verläßt den Ring. Der Richter fordert nun den nächsten Handler auf zur Einzelbewertung zu kommen. Fordert der Richter sie auf als nächstes zu ihm zu kommen ,machen sie ihren Hund aufmerksam und gehen dann zum Richter. In der Regel wird der Richter zunächst den Hund anfassen wollen. Er fühlt die Rippen ab, bei den Rüden überprüft er das Vorhandensein beider Hoden, Wenn er das Gebiß kontrollieren möchte, helfen sie ihm indem sie den Hund so vor sich nehmen, daß er sich nicht nach hinten dem Richter entziehen kann. Auch wollen die Richter meistens die Mimik des Hundes und seine freundliche Ausstrahlung beurteilen. Dazu spricht der Richter den Hund an und achtet auf seine Reaktionen. Anschließend wird der Richter sie auffordern ihren Hund zu bewegen. Nach dem Vorführen
in der Bewegung begibt sich der Richter zum Richtertisch um seinem Steward
die Bewertung ihres Hundes zu diktieren. Jetzt kommt es auf sie an.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||
Das
Aufstellen vor dem Richtertisch-rechts im Bild der Richter
|
||||||||||||||||||||||||||||||||
| Das Vorführen Wenn ich zu Anfang meines Leitfadens von den verschiedenen Faktoren sprach, die sich auf die Bewertung ihres Hundes auswirken, so ist sicher ihr "Handling", das heißt die Art und Weise wie sie ihren Hund im Ring präsentieren, aber auch wie sie sich selber im Ring bewegen, von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit. Leider wird uns Deutschen genau in diesem Punkt von ausländischen Richtern immer wieder schlechtes Benehmen vorgeworfen. Und es ist traurig, daß die Richter oft recht haben. Es ist für einen Richter, der immerhin ehrenamtlich zum Teil aus dem Ausland anreist, sicher sehr enttäuschend, wenn er merkt, daß viele Aussteller ihr Handeln gar nicht ernst nehmen und ihre Hunde nicht ausreichend vorbereitet haben. Die Richter müssen Hunde beurteilen, die weder ordentlich gepflegt noch genügend trainiert sind. Hunde die nicht ordentlich im Ring stehen , beim Vorführen hüpfen und springen, sich nicht anfassen lassen und ihre Zähne nicht freiwillig zeigen sind sicher noch das Erträglichste. Was sind also die nötigen Grundvorraussetzungen für ein erfolgreiches Ausstellen? Natürlich sollte ihr Hund ordentlich sozialisiert sein. Er muß Spaß daran haben andere Menschen und Hunde zu treffen und dies auch z.B. durch Übungsstunden in ihrem Hundeverein gewöhnt sein. Eine gute solide Grundausbildung ist natürlich selbstverständlich. Leinenführigkeit ist nötig, damit ihr Hund nicht mit ihnen durch die Ausstellungshalle spazieren geht sondern umgekehrt. Ihr Hund sollte sich in ausgezeichnetem Pflegezustand befinden. Das heißt nicht zu fett, ordentlich bemuskelt, aber bitte auch nicht zu schlank. Das Fell sollte sauber sein und auch beim Anfassen keinen unangenehmen Geruch an den Händen hinterlassen. Entfernen Sie soweit möglich den Zahnstein und säubern sie das Außenohr. |
||||||||||||||||||||||||||||||||
| Das Aufstellen Ihr Hund sollte frei und ungezwungen vor Ihnen stehen. Er sollte sein Gewicht gleichmäßig auf allen vier Beinen verteilt halten, dabei mit seinen Beinen genau unter dem Schwerpunkt stehen und freudig zu ihnen aufschauen. Mit freudiger Rute soll er dennoch relativ ruhig und ohne zappeln dastehen, seinen Platz beibehalten und möglichst über die ganze Dauer der Bewertung Kontakt zu ihnen haben. Wenn möglich sollten sie mit dem Training schon im frühesten Welpenalter begonnen werden. Bitte nehmen sie aber Rücksicht auf die noch nicht sehr ausgeprägte Konzentrationsfähigkeit eines Welpen. Den Welpen nur einen kleinen Moment stehen lassen, vielleicht zweimal wiederholt, ist zu Anfang völlig ausreichend. Seien sie bitte äußerst freundlich aber konsequent zu ihrem Hund, er soll das Stehen als eine positive Übung erfahren. Die Zahnkontrolle sollte schon aus gesundheitlichen Gründen zum täglichen Ritual werden. Schieben sie ihrem Hund vorsichtig die Lefzen hoch und kontrollieren sie sanft die Stellung der Kiefer aufeinander. Danach kontrollieren sie den hinteren Bereich der Maulhöhle. Dabei loben sie ihn natürlich für sein gutes Betragen. Wenn sie dies vom Welpenalter an regelmäßig tun, ist es für den Hund nichts Ungewöhnliches und er wird es freundlich dulden. |
||||||||||||||||||||||||||||||||
Ein perfekt aufgestellter Saluki (persischer Windhund) |
||||||||||||||||||||||||||||||||
| Das Vorführen in der Bewegung ist nicht so schwer zu erlernen, wie das Aufstellen, aber auch hierbei sind einige Punkte zu berücksichtigen. Natürlich sollte ihr Hund, bevor sie mit dem Training beginnen, ordentlich leinenführig sein. Legen sie ihrem Hund zu Beginn wieder seine Ausstellungsleine an, damit er zwischen Unterordnungsübungen und dem Training für die Ausstellung unterscheiden kann. Der Hund sollte sich im Ring nicht in der Unterordnung befinden, denn er muß sich frei und freudig zeigen. Jeder soll sehen, wieviel Spaß es ihm macht, mit ihnen durch den Ring zu laufen. Es gibt wahre Showtalente, die es sichtlich genießen im Mittelpunkt zu stehen, die förmlich neben ihrem Besitzer her schweben und alles zeigen was sie in der Bewegung mitbringen. Freuen sie sich, wenn sie ein solches Exemplar besitzen aber verzweifeln sie bitte nicht , wenn ihr Hund nicht zu diesen gehört. Der Richter möchte den Hund in einer geraden gleichmäßigen Bewegung im Trab sehen. Zuerst laufen sie eine gerade Strecke vom Richter weg. Am Ende der Strecke drehen sie ihren Hund um, und zwar so, daß der Richter den Hund in der Drehbewegung sehen kann, das heißt sie gehen um den Hund herum. Nun laufen sie gerade auf den Richter zu. Hierbei soll der Hund auf gleicher Linie mit dem Richter sein, nicht sie, der Richter möchte schließlich nicht ihre schwungvollen Bewegungen beurteilen, sondern die ihres Hundes. Anschließend wird noch einmal ein Kreis gelaufen, hierbei sollte der Hund natürlich auch innen laufen. Dies kann alles auch in einer anderen Reihenfolge stattfinden, manche Richter bevorzugen auch das sog. "Vorführdreieck". |
||||||||||||||||||||||||||||||||
| Bewertung Auf der Ausstellung werden die Hunde in verschiedene Klassen eingeteilt. Zunächst einmal erfolgt eine Einteilung in Rüden und Hündinnen. Ist nur ein Richter zur Bewertung eingeladen, werden grundsätzlich die Rüden zuerst gerichtet. Erst wenn alle Rüdenklassen fertig sind, wird mit den Hündinnen begonnen.
Formwertnoten
|
||||||||||||||||||||||||||||||||
| Checkliste für die Ausstellung |
||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Bearbeitet
Version jetzt auch als PDF-Datei zum Herunterladen!!