Prägungsspieltage
-wie und wozu ?
Prägungsspieltage, oft auch Welpenspieltagegenannt, haben zum Ziel, die Entwicklungsansprüche unserer Hunde rechtzeitig und umfassend zu erfüllen.
Bei
Hundewelpen liegen im Spielen, vor allem mit gleichaltrigen Artgenossen, vielfältige
Vorgänge zur Entwicklung von Organismus und Verhalten.Die Zeit intensiven
Reifens, Wachsens, Spielens und Lernens erstreckt sich im allgemeinen auf die
ersten 12 - 16, manchmal auch 18 Lebenswochen und geht mit einer sensiblen Phase
einher, die als Prägung bekannt ist.Positive, negativeund
fehlende Erfahrungen in dieser Zeit nehmen auf das künftige Verhalten
eines Hundes oft bleibenden Einfluß.
In diesem frühen und entscheidenden Lebensabschnitt vollzieht sich auch
die weitere Bindung an den Menschen.Durch ein organisiertes Zusammenführen
von Welpen etwa gleichen Lebensalters und ähnlicher Konstitution sowie
einer sachkundigen Anleitung werden zum biologisch richtigen Zeitpunkt die äußeren
Voraussetzungen für eine positiv prägende Verhaltensentwicklung des
Hundes von Anfang an geboten.
Im Mittelpunkt steht somit die Entwicklung eines sicheren Wesens des Hundes
und die Anbahnung einer sicheren Bindung zu seinem Partner "Mensch".
Besonders interessant sind die "Bällchen-Becken"...
Die verschiedenen Entwicklungsstufen des Welpen
| Prägungsphase (ca. 3 bis Ende 7. Lebenswoche) |
| Die erste, sie sogenannte Prägungsphase, hat der Welpe bereits hinter sich, wenn er zu Ihnen kommt. In diesem Lebensabschnitt, wird festgelegt, wen der Hund später einmal als Artgenossen anerkennen wird. Deshalb ist es in diesen Wochen von elementarer Bedeutung, daß der Welpe sehr viel Berührungskontakte mit verschiedenen Personen hat |
| Sozialisierungsphase (ca. 8. bis Ende 14. Lebenswoche) |
| Bei freilebenden Caniden tritt jetzt der Vater auf den Plan und übernimmt einen Großteil der Erziehung des Welpen. Er beginnt, den Welpen zu disziplinieren, das heißt, er genießt ab sofort keine Narrenfreiheit mehr, sondern lernt, die Alttiere zu respektieren und Grenzen zu akzeptieren. Nachdem Sie mit etwa 8 Wochen den Welpen übernommen haben, müssen nun Sie im "menschlichen" Rudel diese Aufgabe übernehmen. Er wird durch Verknüpfung mit positiven Situationen (z.B. füttern und streicheln) an seinen Namen, Leine und Halsband gewöhnt. Man sollte den kleinen Kerl mit viel aus seinem neuem Lebensumfeld vertraut machen; natürlich darf man ihn dabei nie überfordern. |
| Rangordnungsphase (ca. bis Ende 16 Lebenswoche) |
| Im
Hunderudel entwickelt sich innerhalb des Wurfes eine Rangordnung. Dies
geschieht durch Scheinkämpfe, wobei es aber nicht nur auf körperliche
Kraft, sondern mehr auf die Schlauheit es einzelnen ankommt. Da unser
Hund im allgemeinen in der Familie ohne Geschwister aufwächst, sind
Sie das "Opfer", an dem er nun beginnt auszuloten, woran er ist.
Er prüft sozusagen, ob Sie ein wirklich guter Rudelführer sind. Er wird versuchen, bestimmte Grenzen, die er schon akzeptierte, zu überschreiten. Oder er beginnt knurrend sein Futter zu verteidigen. Wichtig ist in dieser Phase, daß Sie nicht von Ihren bisherigen Richtlinien abweichen und konsequent bleiben. |
| Rudelordnungsphase (ca. bis Ende 6. Lebensmonat) |
| Unser
Welpe wird jetzt selbständig und kann nun recht gut zwischen Arbeit
und Spiel unterscheiden. In dieser Entwicklungsphase stellt sich heraus,
ob Sie bisher alles richtig gemacht haben. Falls ja, sind Sie nun für
Ihren Hund der Mittelpunkt seines Lebens. Er erkennt Sie als seinen Rudelführer
an, und es gibt für ihn nichts Schöneres, als mit Ihnen etwas
zu unternehmen. Es hat sich die sogenannte Gefolgschaftstreue ( nach Konrad
Lorenz) gebildet. Sie erkennen sie daran, daß beim Spaziergang nicht
Sie darauf achten müssen, daß Ihr Hund nicht wegläuft,
sondern er darauf bedacht ist, Sie nicht aus den Augen zu verlieren.
Im 4. und 5.Monat durchlebt der Welpe seine erste Flegelphase; d.h., er versucht geltende Regeln zu umgehen und "testet" seinen Rudelführer. Hier sollte man unerwünschte Erfolgserlebnisse des jungen Hundes vermeiden. Alle 4 Entwicklungsphasen sind in sich abgeschlossen, das heißt, das Gehirn ist jeweils für eine begrenzte Zeit für ganz bestimmte Reize und Erlebnisse empfänglich. |
| Pubertät (2. Lebenshalbjahr) |
| Bis
unser Halbstarker nun ganz erwachsen wird, durchlebt er zwischen dem sechsten
und dem zwölften Lebensmonat die Pubertät. Die Hündin wird
zum ersten Mal läufig und der Rüde fängt an zu markieren.
In dieser Zeit kann es sein, daß er gelegentlich wieder versucht, Verbote zu überschreiten, die zweite Flegelphase also. Manchmal kommt es auch vor, daß unser Hund einige Tage oder Wochen ängstlicher oder vorsichtiger wird als sonst. Wenn Sie weiterhin konsequent und beständig bleiben, gibt sich das alles wieder. |
Welpenspieltage finden häufig in größeren Hundevereinen statt.
In Hundeschulen sind sie i.d.R. auch Teil des Programms. Termine von weiteren
Veranstaltern findet man in Zeitschriften wie "Partner Hund" oder "Der
Hund". In einer Sonderausgabe von "Der Hund" mit dem Titel "Dein Hund-
sein Wesen, sein Verhalten" findet man neben einem Artikel über Prägungsspieltage
auch eine umfangreiche Liste von Vereinen, Hundeschulen und Privatleuten,
die solche Gruppen anbieten.
Sollte man trotz allem in der Umgebung nichts finden, so finden sich vielleicht
andere Hundehalter mit gleichaltrigen Welpen, mit denen man selbst ein "Erkundungsprogramm"
gestalten kann.